STRAßENBAHNREISEN

Straßenbahn Dresden Cargotram (2013)

YouTube Name: Sebastian Lehmann.
Datum: .
Stadt: Dresden (Deutschland).

Das Video zeigt

Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB)
In Betrieb

Dresden CarGoTram: Volkswagenwerke Logistik-zentrum - Volkswagenwerke Gläserne Manufaktur
Eingestellt

Dresden Motorgüterwagen 2002, Fabrik Schalker Locomotives, Type CarGoTram, Breite 2.20 m, Länge 59.00 m, Baujahr 2001, Motorleistung 45 kW, Höchstgeschwindigkeit 50 km/t.

Beschreibung

Die Rolle der Eisenbahnromantik bei der Einführung der Cargotram in Dresden.

Unser nächster Halt ist Dresden, die Heimat der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen. Die dort produzierten Luxusautos erhalten ihre Teile nicht per Lkw, sondern per Straßenbahn. Dies ist die neue Güterstraßenbahn von VW im Firmendesign, die seit März 2001 in Dresden unterwegs ist. Sie soll die neu errichtete Gläserne Autofabrik von Volkswagen mit Material versorgen. Derzeit sind zwei der fünfteiligen Zweirichtungs-Güterstraßenbahnen im Einsatz. Die von der Schalker Eisenhütte Maschinenfabrik GmbH in Gelsenkirchen gebaute Straßenbahn unterscheidet sich konzeptionell vom typischen Dresdner Stadtbahnmodell. Mit 59,4 Metern ist sie fast doppelt so lang, was besondere Aufmerksamkeit des Fahrers erfordert. An bestimmten Kreuzungen ist es ratsam, aufmerksam zu bleiben und gegebenenfalls dem Fahrplanzug zu folgen, um eine komplette Kreuzungssperrung zu vermeiden. Dresden hat viele Ampeln, die unvorhersehbar wechseln oder privaten Fahrzeugen Vorfahrt gewähren, was die Straßenbahn auf die Probe stellt. Besonders die blaue Straßenbahn ist davon betroffen, die täglich durch das Herz der Dresdner Altstadt fährt. Der Stadtverkehr ist chaotisch, kalt und abweisend, doch die beiden Straßenbahnen sind eigentlich Kollegen. Die Dresdner Verkehrsbetriebe betreiben die Straßenbahn im Auftrag von Volkswagen im Rahmen eines 15-Jahres-Vertrags. Nach nur 20 Minuten Fahrt kommt die Gläserne Manufaktur in Sicht. Hinter 27.500 Quadratmetern schallisolierter Fenster werden Autos der Oberklasse montiert. Insgesamt wurden 186 Millionen Euro in diesen gläsernen Baugiganten investiert.

Verglichen damit erscheint der Preis für eine komplette Güterstraßenbahn fast absurd. Ein Zug kostet 1,75 Millionen Euro. Mit dem Bau der Produktionsstätte in Innenstadtnähe wurde auch außerhalb Dresdens ein neues Logistiksystem aufgebaut. Ein Warenverteilzentrum wurde eingerichtet, von dem aus Autoteile per Bahn direkt zur Gläsernen Manufaktur transportiert werden und so eine direkte Anbindung an das Dresdner Straßenbahnnetz entsteht. Dies war tatsächlich ein zentrales Argument für den Standort der Gläsernen Manufaktur in der Kommunalpolitik: Okay, wenn die Zustellung mit einer umweltfreundlichen Straßenbahn erfolgt, die zudem kostengünstiger ist, weil sie nur einen statt drei Fahrer benötigt, voll integriert ist, keine Störungen verursacht und das Gleisnetz besser nutzt, dann ist das eine optimale Lösung, von der alle profitieren – ganz zu schweigen von der Werbung und Aufmerksamkeit, die sie erregt.

Ein kurzer Blick zurück: Am 14. November 2000 war es soweit. In einer Schneeregennacht mit spiegelglatter Fahrbahn wurde die erste CarGoTram per Schwerlasttransport nach Dresden gebracht. Es war harte Arbeit für Mensch und Maschine. Der unbeladene Transportzug wiegt 90 Tonnen. Auch eine technische Herausforderung galt es zu meistern. Da in Deutschland üblicherweise Schienen mit einer Spurweite von 1.435 mm verwendet werden, stellt Dresden eine Ausnahme dar. Neben Schmalspurbahnen folgen in Deutschland nur Dresden und Leipzig nicht diesem Standard. Die Dresdener Spurweite ist 15 mm breiter. Diese zusätzlichen 15 mm befinden sich auf einem Standardgleis, was erhebliche Verkeilungen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für die Lkw erfordert hätte, was zu Mehrkosten geführt hätte.

Unsere Herausforderung bestand darin, Fahrzeuge mit der Dresdner Spurweite zu finden. Wir mussten mehrere Tage lang telefonieren, aber dann hatten wir sie. Woher stammen sie? Sie kommen aus Eisenhüttenstadt. Eine weitere Besonderheit ist der Obusbahnhof, den es schon seit mehreren Jahrzehnten gibt. Getreu dem Motto „Aus Alt mach Neu“ verfügt dieser vollmotorisierte Obusbahnhof über einen Allradantrieb aus Tatra-Schrottfahrzeugen. Diese Obusse wurden generalüberholt und mit einer Primärfederung ausgestattet. Außerdem ersetzten wir die Gleichstrommotoren durch Asynchronmaschinen von VEM und erhielten so einen modernen Drehstromantrieb. Dadurch konnten wir die Kosten deutlich senken.

Unser Standort ist das Güterverteilzentrum Dresden-Friedrichstadt am Stadtrand von Dresden, wo die Schnellecke Group, ein Zulieferunternehmen, die Lagerung und Verladung der CarGoTram übernommen hat. Einziger Wermutstropfen: Das Zentrum verfügt noch nicht über einen Gleisanschluss der DB. Dieser soll aber voraussichtlich Ende Juli fertiggestellt sein. Bis dahin werden Autoteile noch per Lkw zum Warenverteilzentrum transportiert. Von dort fährt die CarGoTram im 40-Minuten-Takt zur Produktionsstätte und ist rund um die Uhr im Einsatz. Aufgrund ihres Aussehens wird die Bahn übrigens auch „Blaues Wunder“ genannt, ähnlich wie die berühmte Dresdner Brücke. Das passt gut, denn die Bahn ist, wie das historische Dresden, mittlerweile zu einer Attraktion geworden. Gütertransporte mit der Straßenbahn sind für uns allerdings nichts Neues, sondern haben bei uns eine lange Tradition.

Haltestellen

Volkswagenwerke Logistik-zentrumVolkswagenwerke Gläserne Manufaktur.

Straßenbahn Dresden Cargotram (2013)
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